Lasst die Affen aus dem Zoo – Braveheartbattle 2016

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Warum ich heute Morgen um 6.00 Uhr im Regionalzug ausgerechnet Lust bekam, Haftbefehl zu hören? Keine Ahnung! Vielleicht schafft er einfach genau die Grundaggressivität, die notwendig ist, um bei einem Extremlauf wie dem Braveheartbattle aus dem spießbürgerlichen Alltag auszubrechen und das Tier in sich raus zu lassen, oder wie es Haft nun mal sagt: „Lasst die Affen aus dem Zoo!“

Kurz vorm Rennen

Pünktlich angekommen, holten wir unsere Startnummern ab und konnten schon überall die Anspannung auf das Rennen spüren. Niemand wusste so richtig, was uns erwarten würde, schließlich war die Strecke in diesem Jahr wieder neu. Wir tauschten daher noch einige Tipps aus und sprachen diverse Strategien durch. Kurz vorm Rennen aß ich noch schnell eins von Viks leckeren Energiebällchen (Rezept gibt’s hoffentlich bald in unserer Facebookgruppe) und trank einen heißen Kaffee. Es war einfach nur verdammt kalt!

Fabian R., der seine Erkältung noch nicht auskuriert hatte, verzichtete vernünftiger Weise auf den Start und wollte uns an der Strecke unterstützen: mit Energiebällchen, aufmunternden Zurufen und natürlich der Kamera.

Die Affen werden raus gelassen…

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Pünktlich um 11.00 Uhr ging es los, der Startschuss für die erste Startgruppe fiel. Der Start wurde in Blöcken aufgeteilt, die wiederum mit Gittern abgesperrt und ganz kurz vor Start losgelassen wurden, weswegen es zu fiesem Gedränge kam. Nicht alle aus unserem Team schafften es in den ersten Startblock. Stephan und Alex konnten aber das Feld von hinten aufrollen, während Marjan, Dennis, Vik und ich uns vorne positionieren konnten. Die Affen waren nun unterwegs…

Nach dem Start ging es direkt heftig los : Erste Steigungen, gefolgt von kurzen Stücken bergab und sofort wieder hoch, lange hoch. Lange Anstiege und schnelle technische Bergab-Passagen machten den Großteil der Strecke aus. Erst bei Kilometer 8 erwarteten uns dann die ersten künstlichen Hindernisse. Doch auch bis dahin bot die Strecke schon einiges: Nachdem man eine Treppe zur Skisprungschanze erklommen musste, ging es einen halsbrecherischen Abhang mehrfach auf und ab. Die Steigung war ausschließlich rutschend und krabbelnd zu bewältigen. 

Am höchsten Punkt ging es unter Netzen durch, gefolgt von einem langen Downhill den selben Weg zurück. Zunächst durch Schnee und den entgegenkommenden, nachfolgenden Läufern ausweichend. Die Abzweigung konnte man nicht verpassen, einfach gerade aus weiter, Bremsen wäre sowieso nicht drin gewesen. Dann über windgepeitschte Felder ging es wiederum bergauf und ab. Nach einem kurzen Intermezzo mit ausgeschlachteten Autos, die es zu durchkriechen galt, gepaart mit weiteren Autoreifen, folgten zur Abwechslung Felder und Anstiege.

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Erst nach einer weiteren halsbrecherischen Böschung ging es ins aus Wald und Feld zurück ins beschauliche Bischofsheim. Dort galt es diverse Wasser- und Schlammhindernisse zu überwinden: Hier begann das eigentliche Hindernisrennen. Ein Highlight für alle Bischofsheimer, die gefühlt alle anwesend waren, um die Läufer zu unterstützen und anzufeuern. Ich lehnte dankend diverse Schokoriegel, Cola und andere Süßgetränke ab.

Nach einen ausgiebigen Kriechhindernis, welches mit einem Elektrozaun abgespannt war, wurde gewendet und es ging zurück durch die Stadt. Das bedeutete: Erneut über die selben Hindernisse und ein gutes Teilstück des Hinweges zurück.

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Die letzten Meter zum Ziel

Ab jetzt wurde es anstrengend und das in doppelter Hinsicht. Die Matschgruben hatten mir auf dem Hinweg einen Schuh ausgezogen. Auf dem Rückweg zog ich mir im Matsch beide Schuhe aus. Ich lief ein ganzes Stück barfuß, zum großen Entsetzen der Zuschauer. Im nächsten Bach konnte ich dann die Füße vom Schlamm befreien, damit sie wieder in die Schuh passten. Das war ganz schönes Pech.

Noch ärgerlicher wurde es, als man nun sowohl an den Hindernissen, Abhängen und auf den Trails tierisch aufpassen musste, denn Äste ragten in den Weg und man musste darauf achten, dass man nicht von den entgegenkommenden Läufern umgerannt oder angerempelt wurde.

Dann kam die Abzweigung, nach der ich mich bereits verzweifelt sehnte und es ging auf die letzten Kilometer zu. Die begannen sich zu ziehen, ebenso wie das Feld. Am vorletzten Anstieg waren noch mehrere Konkurrenten in Sichtweite. Es wurden aus 28 angekündigten Kilometern doch noch sagenhafte 32 Kilometer und aus einem kleinen Grüppchen ein einsamer Kampf für mich. Noch einmal bergab Vollgas geben durch die verschneite Rhön, noch einmal einige Kilometer über windige Felder, und schon war das Stadion mit dem Zieleinlauf in Hörweite. Ein freundlicher Radfahrer rief mir noch zu: „Noch 500m, dann hast du es gepackt, Junge!“

Vor der letzten Kurve wartete dann auf einmal Christoph (der eine kürzere Strecke lief) und feuerte mich an, sodass ich mit seiner Unterstützung sodann ins Ziel kam. Dort stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass ich der erste OCRler und insgesamt auf dem 18. Platz         war. Dennis und Marjan kamen kurz nach mir an. Viktorija legte als 7. Frau ein beachtliches Ergebnis hin und auch Alex und Stephan kamen gesund ins Ziel.

Fazit

Zwar war die Vielzahl der Läufer sehr zuvorkommend, aber es gab natürlich auch welche, die so sehr mit den Hindernissen oder schlicht mit der Kamera eines Zuschauers so dermaßen beschäftigt waren, dass an Rücksichtnahme nicht zu denken war. An den Wassercontainern wurde auch von den Helfern nicht für Platz gesorgt. Zwischenzeitlich war ich mir dann auch nicht mehr sicher, ob ich mich verlaufen hatte oder noch auf dem richtigen Weg war oder bereits eine Abzweigung verpasst hatte. Dafür gab es dankenswerterweise Kilometerschilder, die einen nicht nur daran erinnerten, wie weit man schon gelaufen war. Sie zeigten mir auch immer wieder, dass ich noch auf dem richtigen Weg war. Ein echt harter Lauf war dies, der seine Härte über Strecke und Distanz überzeugte. Die Wasserhindernisse und die Kälte taten ihr übriges noch dazu. Die Schlammlöcher zählten zu den fiesesten, die ich bis jetzt erlebt habe. Ärgerlich war vor allem, dass wir die selbe Strecke wieder zurück laufen mussten. Das war zum einen für den Kopf eine ziemlich unangenehme Sache, man wusste ständig, was noch vor einem lag. Zum anderen gab es Probleme an den Hindernissen und die entgegenkommenden Läufer wurden zu einem weiteren Hindernis. Der Braveheartbattle hat einem wirklich alles abverlangt.

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Die Organisation

Die Organisation ließ sich sehen: Die überaus fairen Essens- und Getränkepreise und die üppige Zielverpflegung sollen an dieser Stelle positiv erwähnt werden.
In Punkto Hindernisse war ich aber enttäuscht, nicht mal ein Hangelhindernis war auf der Strecke zu finden. Darüber hinaus war die Strecke das größte Hindernis, aber der Austragungsort Bischofsheim und die Streckenführung waren abgesehen das es einen Großteil der Strecke einfach wieder zurück ging großartig und ich war verdammt froh, als ich über die langersehnte Ziellinie kam, denn viele haben das bei diesem Braveheartbattle nicht geschafft!

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Der Lauf selbst war mit seinen 32km eine echte Knochenmühle. Das kalte Wetter machte ihn zu einem der härtesten die ich bisher absolviert habe. Es hat sich auch jeden Fall gelohnt mitzumachen und vielleicht finden sie für das nächste Jahr noch einen anderen Rückweg und härtere Hindernisse.

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Das Braveheart trägt seinen Ruf als harte Nummer zurecht und ist kein Vergleich mit Spaßläufen wie dem Toughmudder. 
Wenn du dich einmal mit einer der anspruchsvollsten Strecken, die ich bisher gelaufen bin, messen möchtest, solltest du ihn auf jeden Fall in deinen Laufkalender eintragen. Als Vorbereitung solltest du jedoch regelmäßig die lange Distanz des Taunustrails bewältigen, ansonsten wird dich dieses Rennen niederschmettern. Im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ende des Rennens überholte ich auch in der Spitzengruppe noch Krampf und verletzungsgeplagte Läufer. 

Ein harter Crosslauf mit dem gewissen etwas. Vom Team OCR Frankfurt haben es alle Läufer ins Ziel geschafft. Auch wenn es zwischen den Zieleinläufen unserer Teammitglieder fast zweieinhalb Stunden Unterschied waren. Alle sind heil ins Ziel gekommen und das verdient bei diesem Rennen allen Respekt!

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