10. Kristallmarathon im Erlebnisbergwerk Merkers

Bergwerk von oben

Eigentlich habe ich offiziell Ferien: Keine Seminare, keine Klausuren, keine Hausarbeiten mehr. Das Leben in all seiner ganzen Fülle und seinen prächtigen bunten Farben müsste eigentlich wieder mit voller Wucht durch das vom Regen beschlagene Fenster meines Zimmer zu mir dringen, nur um mir zu sagen: Ja, du hast es geschafft! Ein weiteres Semester ist nun vorbei und nun sollst du belohnt werden für deine Mühen!

Aber, nein: Die Crew von OCR Frankfurt, besser gesagt ein Häufchen von 9 Läufern und einer Supporterin, entschied sich ausgerechnet am Valentinstag, dem Tag der Liebe, den Tag mit genau der Menge Dunkelheit und Abgeschiedenheit zu verbringen, wie ihn jeder andere Vorzeige-Single an diesem Tag am liebsten auch machen würde: 500m unter der Erde versteckt, inmitten der Tiefen dieses Ungeheuers von Kali-Werk.

The perverts Guide to Valentine’s day

14.02.2016: Früh am Morgen (an einem Sonntag, wohl bemerkt) weckt mich mein Wecker um 4:15 Uhr aus dem Schlaf. Der Tag hat noch gar nicht richtig begonnen und ich weiß schon jetzt, dass ich es bereuen werde, so früh aufgestanden zu sein. So eine unchristliche Uhrzeit, wer denkt sich nur so etwas aus? Aber ich bin hier schließlich bei OCR, da sind mimimiMimosen fehl am Platz. Wer hierher kommt, kommt, um sich selbst etwas zu beweisen. Also mache ich mich auf, um gemeinsam mit den Anderen zu den galaktischen Sphären des Sternes Orion zu fliegen und…gääähn…oh, ich glaube, ich stecke noch immer im Halbschlaf/Halbtraum fest…menno.

Wer sich ungefähr vorstellen will, wie dermaßen kaputt ich noch vom Schlafmangel und der dazu frühen Morgenstunde war, dem versuche ich mal in Teilen eines unserer Fahrtgespräche wiederzugeben:

Christoph (während er vor mir am Lenkrad sitzt und irgendwas hervorkramt): „Möchte noch jemand Birnen haben?“

Didi (neben ihm auf dem Beifahrersitz): „Oh, und Karotten hast du auch!“

Ich (so verpeilt, dass ich auf kuriose Art und Weise anfange, in meinem Kopf die Wörter Birne und Karotte zu vermischen): „Was, Butter?“

Zusammenfassend lässt sich die gesamte Fahrt auch in diesem Bild darstellen:

(findet die Fehler) *LOL*
(findet die Fehler) *LOL*

Gott sei Dank sind Deutschlands Autobahnen reich mit anderen Fast-Food-Ketten ausgestattet, sodass wir noch vor Ankunft am Erlebniswergwerk Merkers kurz frühstücken und Kraft tanken konnten.

Glück auf!

Bei Ankunft am Erlebnisbergwerk verlief die Organisation relativ sauber ab: Keine lange Suche nach Parkplätzen, keine langen Schlangen bei der Akkreditierung/Startnummernvergabe+Zeitmess-Chip. Der Weg vom Auto bis hinunter zum Schacht würde ich pi-mal-Daumen auf 10 Minuten schätzen. Kein unfreundliches oder gestresstes Personal führte uns in die Tiefen runter, sondern lustig gestimmte ältere Männer in weißen Anzügen und passenden Helmen. Wir durften da natürlich auch nicht ohne Helme runter fahren.

Und wer sich über den Namen „Erlebnisbergwerk“ wunderte: Das alte Werk machte seinem Titel alle Ehre: Unten angekommen, wurden wir auch direkt in recht großen offenen Wägen (man stelle sich einfach ein Bus ohne Dach vor, in dem die Passagiere gequetscht neben und voreinander sitzen) zum 2km weit entfernten Startfeld gefahren. An dieser Stelle muss ich eventuelle Interessierte vorwarnen: Wer an Platzangst leidet, sollte sich die Teilnahme dort definitiv 2 Mal überlegen: Denn schon die Fahrt zum Startfeld ist das reinste Achterbahnerlebnis, wo man ständig das Gefühl hat, entweder mit dem Kopf an die Decke zu fliegen oder in den scharfen Kurven aus dem Bus zu fallen, weil die Fahrer (übrigens dieselbigen Männer, die uns im Schacht hinunterführten) die Strecke im Schleudertempo abfahren.

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So verlief nun der erste Teil meines lang ersehnten Valentinstages (nicht), an dem ich nicht nur aus dem Bett gequält und die Fahrt lang mit „Butter“ aufgezogen wurde, sondern auch noch die Freude hatte, so tief in das Werk hineinzufahren, dass es für einen Rückzug zu spät wurde. Sollte ich mich also vielleicht doch beim lieben Gott dafür bedanken, dass er mir den Anblicken sich in aller Öffentlichkeit knutschender Pärchen nun ersparte? Oder sollte ich lieber den Tag dafür verfluchen, dass ich die Strapazen am Morgen auf mich nahm, nur um mich im Halbmarathon noch weiter zu quälen?

Einer meiner lieben Kollegen nahm alle Zweifel von mir und machte mich am Startfeld lieberweise auch noch auf ein sich so offensichtlich liebendes Pärchen aufmerksam, dass ich die Antwort nun wusste: Ich durfte mich nicht nur  körperlich an den Rand des Wahnsinns treiben, sondern auch noch miterleben, dass man als Single selbst 500m unter der Erde versteckt nicht vor Pärchen gewappnet ist. Aus diesem Grund (aber natürlich auch anderen wunderbaren Gründen) heraus, konnte ich es kaum mehr erwarten, die 22,75km loszulaufen.

Das Erlebnisbergwerk

Zur Organisation im Erlebnisbergwerk: Nicht nur, dass die Fahrt unter Tage wirklich cool ist und man zudem vor dem Rennen mit einer Lasershow unterhalten wird: Die Kulisse, in der man nun rennt, ist ein wahres Erlebnis und darin kommt der Name des Werkes nicht zu kurz. In der Nähe der Ziellinie gab es sogar einen Kletterpark samt Rodeobullen und künstlicher Strandatmosphäre, der zwar (wahrscheinlich wegen des Rennens) nicht in Betrieb war. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass man dort auch abseits irgendwelcher Sportevents sehr gut in dem Biergarten, der dort auch steht, entspannen und den Tag ausklingen lassen kann. Touren durch das Werk werden dort regelmäßig angeboten. Wer sich also für den im Jahr 1895 in Betrieb genommenen Koloss von Werk interessiert, findet hier weitere Informationen: http://www.erlebnisbergwerk.de/

Up and down, and up and down…

Unten in der Gästehalle angekommen, wo man den Läufern zujubelte, konnte man sich noch in aller Ruhe vorbereiten und nebenbei den 10-km-Läufern beim Rennen zuschauen, die eine Stunde vor dem Halbmarathon losliefen.

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(Kommen sie grad aus der Zukunft oder reisen sie gerade dorthin? :O ) 😉

Nachdem also die ersten Sieger der 10km-Runde in das Ziel einliefen, machten auch wir uns auf zur Startlinie. Nun wurden die ersten Läufer nervös, viele fingen an, sich wild zu stretchen oder herumzuhüpfen. Einige aus unserer Gruppe stellten sich noch die Musik ein, ehe sie losliefen. Und nach kurzer Zeit Warten an der Startlinie fiel auch schon der Startschuss und wir liefen los.

Die Strecke an sich ist, nun ja, nicht gerade optimal: der Boden ist sehr hart, an einigen Stellen (gerade wenn man ein glattes Profil an den Schuhen hat) rutschig und man läuft viele Hügel hoch. Gerade bergauf bekam ich richtige Schwierigkeiten und hatte nach der Hälfte der Gesamtstrecke Zweifel, ob ich es auch wirklich bis zum Ende schaffen würde. Es ist also keine glatte, langweilige Strecke, sondern eine, die auch noch auf und ab über Kies, Sand und glatt gewalzten Boden führt. Ein weiteres Manko ist die Temperaturregelung: Mir wurde z.B. schon innerhalb der ersten von insgesamt 7 Runden so heiß, dass ich mir am liebsten den Fahrradhelm (der leider obligatorisch war) vom Kopf reißen wollte, weil es mir zu warm wurde. Dann wiederum gab es Strecken, auf denen der Wind einem regelrecht ins Gesicht blies. Leicht zu rennen war diese Strecke definitiv nicht, sie hatte ihre Tücken.

Was mir aber positiv auffiel, war die Organisation innerhalb der Laufstrecke: Nebst den vielen Freiwilligen, die an insgesamt 2 Checkpoints ausgiebig Getränke (Wasser und Limonade) und Essen (Obst, Fruchtriegel) verteilten, gab es überall Helfer auf der gesamten Strecke verteilt (die aber mit ihrem unnötigen Krach/Sirenen und anderem Klimbim und Zurufen einem eher auf den Keks gingen) und provisorische WCs, die aufgebaut wurden. Außerdem war es ein ganz netter Nebeneffekt, nach jeder Runde durch die Gästehalle zu laufen und von den Zuschauern angefeuert zu werden.

Nach jeder Runde konnte man auf einer Leinwand sehen, wie viel Zeit man in der jeweiligen Runde gelaufen ist und auf welchem Platz man gerade stand, das fand ich persönlich immer sehr unterstützend. Genug Platz zum Laufen hatte man auch, es gab also keinen Stau. Erstaunlicherweise empfand ich 7 Mal dieselbe Strecke laufen auch nicht als langweilig, weil man dafür einfach zu viele Hügel vor sich hat, als dass man  wirklich darauf achtet, wo genau man sich auf der Strecke befindet. Für Abwechslung und Herausforderungen ist auf jeden Fall gesorgt.

Fazit

Der Halbmarathon im Erlebnisbergwerk Merkers ist genau das Erlebnis, das man erleben sollte, wenn man genug von langweiligen, eintönigen Laufstrecken hat und neben Fitnessstudio oder Park gerne andere Laufstrecken ausprobieren will. Die Temperatur, die zwischen 21-28°C wankte + die ruppige und abwechslungsreiche Laufstrecke machen den Lauf zu etwas, was ich so woanders wohl nicht erleben würde. Außerdem ist es schon eine ganz andere Erfahrung, so früh aufzustehen für ein Rennen. An einem Sonntagmorgen. An Valentinstag. 500m versteckt unter der Erde… Noch Fragen? 😉

 

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