Ultrabeaster und die Rache der kleinen Dicken – Spartan Ultrabeast Vechec 2016

Endlich!! Ein Spartan Ultrabeast kommt nach Europa. Genauer gesagt nach Vechec in die Slowakei. Die Marke „Spartan Race“ ist in den USA bereits eine feste Größe und bietet Formate für Hindernisläufer jedes Wahnsinnsgrades an.In Europa gehören sie zu einer der am stärksten wachsenden Marken. Da es in Deutschland leider bisher nur die kurzen Distanzen gibt, war das Ultrabeast in der Slowakei für mich ein Pflichttermin. Leider fiel Andy wegen einer Verletzung aus und ich konnte seinen Startplatz sowie Unterkunft und Mitfahrgelegenheit übernehmen. Meinem Traum vom Ultrabeast stand also nichts mehr im Wege. Nur noch hinfahren, mitlaufen, Gürtelschnalle einsacken: Fertig!

Der Hinweg

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Mit Veit, Hebbe, Christian, Christian und Thomas H., Kai und mir hatten wir eine erlesene Truppe von Ultrabeastern und solchen, die es mal werden wollten, aus ganz Deutschland zusammen. Als einziger OCR-Frankfurter durfte ich mich anschließen. Christian hatte die Fahrt mit Treffpunkten und Autowechseln generalstabsmäßig geplant und Vignetten gekauft – jetzt musste der Plan nur noch in die Tat umgesetzt werden. Veit sammelte mich pünktlich in Frankfurt auf, wir fanden den P+R Heidenheim und Hebbe trotz Irritationen wegen des Navis pünktlich um 4 Uhr und waren um 6 Uhr in München, wo uns Christian und Kai mit Kaffee und Brötchen erwarteten. Dort stiegen wir alle ins Auto zu Christian um. In St. Georgen im Attergau die Hofers zu Treffen. Die breiten Schultern der Mitfahrer machten es zu dritt auf der Rückbank wirklich eng, sodass wir froh waren, als einer von uns das Auto wechseln konnte. Mit zwei Autos ging es von da an ganz entspannt Richtung Ost-Slowakei. Nach knapp 15 Stunden erreichten wir gegen 17 Uhr Vechec und unsere Pension wie geplant. Saubere gemütliche Zimmer zu einem nahezu unschlagbaren Preis.

Jetzt nur noch die Startnummer abholen, etwas Essen, Sachen vorbereiten und dann schlafen. Ein erster Blick aufs Eventgelände ließ erahnen, was da auf uns zukam und das Multirigg wartete bereits bedrohlich auf die Spartiaten. Beim Essen hatten wir riesiges Glück, als ich auf die Toilette ging, sprach mich einer der Gäste auf deutsch an, ob er uns bei der Bestellung helfen könne. So bekamen alle, was sie wollten. Der freundliche Sprachmittler wollte nicht einmal ein Bier von uns annehmen; er wollte nur, dass wir uns in der Slowakei wohl fühlen. Hammer! Danke!

Während des Essen gab es eigentlich nur ein Thema: Das anstehende Rennen! Die Spannung stieg in der gesamten Gruppe spürbar an.

Der Tag X

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Guten Morgen Ultrabeaster: 5:30 Uhr Wecken, 6:00 Uhr Abfahrt, Start 8:00 Uhr! Noch ehe ich richtig wach war, ging es auf die Strecke. Christian, Kai, Hebbe, Veit und meine Wenigkeit gingen in der Elite an der Start; die beiden Hofers würden uns aus einer späteren Startgruppe heraus jagen. Ich war noch nicht richtig wach und wusste gar nicht so richtig, wie mir geschieht, da ging es auch schon auf die Strecke. Wir standen relativ hinten im Startblock und grinsten noch in die Kamera – da ertönte auch schon der Startschuss.

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Dann kam auch gleich der erste Stau, es ging durch einen Graben und dann in ein Bachbett. Auf den ersten Kilometer im Bach sollten weitere folgen. Danach ging es über Reifen, Holzwände usw. das erste Mal Burpees lies nicht lange auf sich warten. Ein Hangelhindernis mit noch feuchten Stahlrohren forderte reihenweise Tribut. Ich nahm die Füße nach oben, um nicht herunterzufallen. Obwohl ich auf das zunächst slowakische dann englische Zurufen „No feet“ reagierte und die Füße herunternahm und zu Ende hangelte ohne herunterfallen musste ich Burpees machen. Ich war etwas angefressen aber das half mir auch nicht. Als ich mit Burpees fertig war, holte mich Veit ein, der es gemütlich angehen wollte und locker durchhangelte.

Es ging weiter durch Felder und Wiesen und Bachbetten. Bergauf und ab. Die erste Runde hatte es in sich! Nachdem ich den Speerwurf unbeschadet überstanden hatte, hörte ich beim Baumstammziehen eine vertraute Stimme mit unverkennbarem Akzent: „Ich lauf schon mal langsam weiter!“ Hebbe war kurz vor mir und schon durch das Hindernis. Ich rief Christian, den ich vor mir sah ein: „Schneller! Ich komme um dich zu holen!“ zu und gab Gas. Tatsächlich holte ich die beiden kurz darauf beim Baumstammtragen ein.

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Es ging weiter kriechend durchs Bachbett und mit einem Sandsack auf dem Rücken den Berg hinauf. Nach Runde eins konnte ich mich an die Spitze unseres kleinen Grüppchens setzen und lief Richtung Start/Zielbereich. Dort warteten wieder einmal Burpees auf mich. Die Balancierpfähle schaffte fast niemand, da sie nur 5 cm Durchmesser hatten und schlammbedeckt waren, das Multirigg war eines der heftigsten Hangelhindernisse und ich scheiterte am Übergreifen vom freischwingenden Stahlrohr zu den Ringen. Platsch.. Burpees.

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60 Burpees später ging ich auf Runde zwei. Ich hatte wirklich jetzt schon überhaupt keinen Bock mehr. Das Anlaufen viel mir sichtlich schwer und da nur Gerüchte über die Strecke bekannt waren, wusste ich nicht, ob wir die selbe Runde nochmal laufen mussten. Erst nach zwei Kilometern stellte sich heraus, dass es nicht so war. Ich war sichtlich erleichtert und wechselte wieder in den Laufschritt. Allein die Vorstellung, dieselbe Runde nochmal zu laufen, war mir ein Grauen!

Runde Zwei

Runde zwei fing für mich alles andere als gut an und die Steigungen machten mir zu schaffen. Bei km 28 erreichte ich einen Verpflegungspunkt und nahm mein erstes Gel ein. Witziger Weise sprach die sympatische Freiwillige deutsch, war von der Dirtrun-Company und kannte Hebbe. Die Hindernislaufwelt ist eben klein und familiär. Kurz nach mir kam Roman, ein Österreicher, und wir liefen ein Stück zusammen und unterhielten uns. Nach kurzer Zeit musste ich ihn jedoch ziehen lassen. Die immer wiederkehrenden Steilstücke und Gehpassagen zehrten zunehmend an meinen psychischen und physischen Kräften und ich fühlte mich alles andere als fit. Zu allem Übel hatte ich auch noch meine Salztabletten verloren und ich war mehr als dankbar, als mich nach dem Sandsacktragen und einem weiteren kräftezehrenden Downhill Christian einholte und mir eine seiner Salztabletten abgab. Die Hitze forderte Tribut und ich soff mehr als ein alter Benz! Ich fühlte mich wie ein Durchlauferhitzer und das Wasser an den Verpflegungspunkten verdampfte direkt. Ein Gel und eine Salztablette später konnte ich mich wieder von Christian absetzen und lief wieder vorweg.

Der Endgegner

Das blieb auch so bis zur Runde drei. Nachdem ich mich auf dem Feld mehrfach umsah und Christian nicht erblickte, lief durch die mittlerweile unerbittlich brennende Sonne über offenes Feld – immer wieder kamen Hindernisse und dann mein persönliches Horrorszenario: Ein Kieseimer und ein Steinbruch. Den 20-Liter-Eimer galt es mit den Händen zu befüllen und ca. einen Kilometer durch den Steinbruch zu schleppen. Ich sah die anderen Spartiaten wie kleine Ameisen durch den Steinbruch krabbeln und begann ernsthaft zu verzweifeln. Nach einem Drittel der Strecke musste ich den Eimer bereits das erste Mal absetzen, nach der Hälfte musste ich im Schatten zwei Minuten Pause machen. In einem verzweifelten Anlauf schaffte ich es bis auf zwei Drittel des Steinbruchs. Meine Arme krampften und ich konnte den Eimer kaum noch absetzen. Ich musste wieder pausieren und dachte ernsthaft an Aufgeben. Ich nahm entgegen meines Plans ein weiteres Gel. Das wirkte, wenn auch nur für den Kopf – irgendwie schaffte ich es den Eimer wieder auf die mittlerweile mit blauen Flecken übersäten Schultern zu heben und über die Zeitmatte zum Ausgangspunkt zu tragen. Ich war jedoch völlig am Ende und schleppte mich zur nächsten VP. Beim Sprung auf die Dipsbarren krampften die kleinen Muskeln oberhalb meiner Knie. Kilometer 42 noch ungefähr 10 zu laufen. Mein Körper war fertig und mein Kopf wollte auch nicht mehr. Wie zur Hölle sollte ich das nur schaffen?

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An der Verpflegungsstation holte mich Roman, den ich anscheinend irgendwo überholt hatte, wieder ein und gab mir etwas von seinem Magnesium. Die Sanitäter hatten keine Salztabletten. Während ich noch unter der Dusche im Steinbruch mich abkühlte, tauchte Christian grinsend hinter mir auf. Diese verdammte Maschine hatte den Eimer ohne Absetzen durchgetragen, fluchte aber auch über dieses Hindernis. Direkt vor ihm hatte einer der Teilnehmer aufgegeben, weil er den Eimer nicht einmal anheben konnte. Wir liefen ein Stück gemeinsam weiter und dann lernte ich den unendlichen Schritt des Gebirgsjägers kennen: Der Sack lies mich einfach im Wald stehen! Er machte seine Androhung war und mich fertig.

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Das Schlimmste war, zu diesem Zeitpunkt hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen. Ich musste ihn ziehen lassen. Nach dem Eimer hatte ich vor dem Angst, was noch kommen könnte und hielt meine letzten Energiereserven zurück. Einige Kilometer, Hindernisse und diverse Gemeinheiten (noch ein Sandsack, Stacheldraht) später, kam ich an eine ca. 2m Eskaladierwand. Als ich davor anhielt um Kräfte und Konzentration zu sammeln, feuerten mich die beiden Mädels an und sagten mir, dass es nicht mehr weit sei. Dies wurde mir beim zweiten Memorycheck bestätigt überraschenderweise fiel mir die Kombination direkt wieder ein: „9JVGCMMX“ oder so.. 😀

„Only 2 km left“

„Scheiß drauf! Gib ihm!“ Ich holte alles raus, was noch da war. Ich fing an zu rennen. Den „Herr der Ringe“-Soundtrack pfeifend, überholte ich die Teilnehmer, die mich kurz zuvor noch hatten stehen lassen und lief die letzten Kilometer mit Vollgas. Singend „I’m a motherf**n BEAST“ krabbelte ich unter dem letzten Stacheldraht durch, hüpfte nochmals mit einer Arschbombe in die Matschgrube, tauchte unter der Wand durch das mittlerweile dickflüssige Wasser und kletterte das Seil hoch. In der zweiten Runde war ich abgeschmiert, weil das Seil so matschig war, dass ich nicht einmal einen Fusshaken ansetzen konnte. Aber dieses Mal kam ich irgendwie hoch! Bloß keine Burpees. Dafür schaffte ich diese Runde die Balancierpfähle nicht. In Runde 2 hatte ich sie barfuß geschafft. Den Sandsack, den es hochzuziehen galt, schaffte ich gerade so 2 Meter, dann rutschte mir das 1cm Seil durch die Finger. Ich versuchte noch es mit den Zähnen zu halten, aber keine Chance: Burpees! Das letzte Hangelhindernis vor dem Ziel, ich wollte es unbedingt schaffen, aber nach der Hälfte riss die Haut an meiner linken Hand auf und ich rutschte ab. Verdammt! Nochmal Burpees! So kurz vor dem Ziel und überhaupt keine Kraft mehr – einzig die Tatsache, dass ich Christian wieder eingeholt hatte, motivierte mich nochmal Gas zu geben. Leider ihn auch! Er hatte am Ende 20 Burpees und 4 Minuten Vorsprung und begrüßte mich grinsend im Ziel.

Nach 8 Stunden 40 Minunten und ca. 270 Burpees lief ich als Zweiter unserer Truppe über die Ziellinie und darf mich von nun an Ultrabeast schimpfen. Allerdings hatte der zweite Christian aus der hinteren Startgruppe eine gnadenlose Aufholjagd gestartet und war somit bei uns der Schnellste. Alle kamen unter 10 Stunden an und waren megaglücklich, es unverletzt ins Ziel geschafft zu haben. Glücklich aber fertig schlugen wir uns die Bäuche voll, und fielen ins Bett. Und die Moral von der Geschicht? Unterschätz die kleinen Dicken nicht! 😉

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Fazit

geschafft

Dieser Wettkampf war das härteste, was ich bisher gemacht habe und die Spartan Serie machte es mir mit den Kraft zehrenden Hindernissen nicht einfach. Ich kann die unzähligen Hindernisse und Gemeinheiten in diesem Bericht nicht aufzählen. Die Organisation war sehr gut und lief reibungslos. Einziges Manko war eine Straßenunterquerung durch einen ca. 50cm hohen Tunnel der nach Pisse stank und voller Müll war. Ich klettere gerne durch Matsch, aber menschliche Abfälle und Exkremente überschreiten definitiv eine Grenze. Das war absolut widerlich!

Außerdem führte die Strecke an einem Matratzenlager vorbei, welches scheinbar der Straßenprostitution diente. Schmerzlich wurden den Läufern hier die sozialen Realitäten der Slowakei bewusst. Müll und Armut gehören hier anscheinend so selbstverständlich zum Leben dazu, dass die Organisatoren des Rennens sich nicht daran störten, die Strecke an diversen Müllplätzen vorbeizuführen. Heftig!

Die Gastfreundschaft der Slowaken und die Freundlichkeit im Umgang mit uns, die wir kein Wort slowakisch konnten, war beispielhaft. Auch am Service und dem Preis/Leistungsverhältnis auf Autobahnraststätten könnte sich Deutschland mal ein Beispiel nehmen. Für ca. 4 Euro erhielten wir auf der Raststätte ein hervorragendes Gulasch mit frischen Semmelknödeln. Himmlisch. Frisch gestärkt, vollkommen fertig aber überglücklich traten wir den Heimweg an: 7 frischgebackene Ultrabiester!

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