Strong Viking Mud Edition 2016

Vor dem Start Strong Viking Mud Edition Fürstenau 2016

„Lauf mit beim Strong Viking!“ ham se gesacht..
„Mach gleich die 19 Kilometer!“ ham se gesacht…
„Es macht Spaß!“ ham se gesacht…

Und verdammt nochmal, Recht hatten se!!! Naja, wenn man Spaß daran hat, bei 4°C Außentemperatur durch Wasser, Schlamm und Sand zu kriechen – Aber alles der Reihe nach.

Wie alles anfing

Seit Sommer 2015 bin ich nun bei OCR FRA dabei, war jedoch noch nie bei einem Hindernisrennen dabei und wollte bei meinem ersten Hindernislauf erst mal klein anfangen, also mit max. 10 km.

Als ich dann im Dezember letzten Jahres in der OCR Facebook Gruppe las, dass einige Leute am Strong Viking teilnehmen und daraus gleich ein Wochenende auf dem Land in einem idyllischen Bauernhaus machen würden, dachte ich zunächst : „Cool, fährste als Supporter mit, verbringst ein lustiges Wochenende mit den Teamkollegen – ein Kurzurlaub!“. Doch dann packte mich der Ehrgeiz, auch mitzulaufen. Die übrigen OCRler begrüßten jubelnd meinen Entschluss und ermutigten mich auch noch dazu, gleich die 19km Strecke zu wagen, dann würden wir nämlich alle gemeinsam in einem Block starten. Gesagt getan: Anmeldung für den Odin Startblock ausgefüllt, Startgebühr überwiesen und jetzt noch 10 Wochen bis zum Event…

Aufgrund einer Verletzung konnte ich erst ab Mitte Februar wieder laufen. Wenige Wochen vor dem Event bestand mein Trainingsfokus erst mal darin, die erforderliche Laufdistanz von 19km zu trainieren – meine maximale Distanz bis dahin betrug 12km – und allgemeine Kraft und Fitness aufzubauen: Klimmzüge, Liegestütze, und die allseits geliebten Burpees. Die Hindernisse hatte man ja bereits bei den inzwischen berühmten OCR Heartbeat-Sessions im Sommer geübt.

Am Tag vor dem Rennen fuhren wir dann mit 11 Mann… ok, bevor Sheryl wieder meckert, alles muss ge-gender-t sein – mit 4 weiblichen und 7 männlichen OCR Athleten – auf 3 Fahrzeuge verteilt nach Hagen a.T.W., denn dort befand sich das Bauernhaus (auf norddeutsch „Kotten), wo wir das Wochenende verbringen sollten. Die Stimmung war heiter, geprägt von Vorfreude und Aufregung, sodass wir trotz Schneeregen und Stau auf den Autobahnen relativ entspannt und gut gelaunt gegen 21 Uhr im Haus ankamen.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 6 Uhr. OMG was hab ich mir da eingebrockt?! Bloß nicht nachdenken… Aufstehen, frühstücken, fertig machen, versuchen, sich nicht vor Nervosität zu übergeben, losfahren. Das Wetter schien gnädig mit uns zu sein: es waren zwar frostige 4°C draußen, dafür blieb es trocken, obwohl Schneeregen und starker Wind vorhergesagt wurden. Na also, fängt doch mal gut an…

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Auf dem Gelände ging alles ganz schnell: Startunterlagen holen, Chip und Startnummer anbringen, kurz aufwärmen, schnell pinkeln (wichtig!!!) und schon war es kurz vor 10, Zeit zum Aufstellen, keine Zeit zum Angst haben. Der Moderator initiierte ein kurzes Warmup, sprach die letzten Warnhinweise und Tipps aus. Dann knieten wir uns zum „Gebet“ hin (Vikings never quit usw..), und schon lief der Countdown zum Start. 3…2…1…LOS!!!

Das Rennen

Gleich beim Start wartete schon das erste Hindernis auf uns und somit der erste Bottleneck – über eine Mauer klettern. Bereits hier wurde unsere Gruppe getrennt: Dennis, der sich für die OCR WM qualifizieren wollte, schaffte es als einer der Ersten über die Mauer, Pascha folgte ihm. Als Christoph, Mirco, Olya und Claudia (die ebenfalls Hindernislauf-Jungfrau wie ich ist) vor uns über die Mauer kletterten, hatten Fabian, Sheryl und ich noch gefühlte 50 Leute vor uns…

Die Mauer am Start

Nach der Mauer wollte ich Gas geben, um die Anderen aufzuholen, doch Fabian bremste mich gleich am Anfang ab: „Mach langsam, du hast noch 19km vor dir, spar‘ dir deine Kräfte, du wirst sie noch brauchen“. Der Kämpfer, der Vikinger in mir rebellierte kurz, ich wollte doch schnell nach vorne, ich wollte es Allen beweisen! Doch der vernünftige Streber in mir hörte letztendlich brav auf den OCR-Papa und ich nahm das Tempo raus. Papa weiß es schließlich besser, ja das tut er. Und so ging es für mich gemeinsam mit Sheryl in einem entspannten Tempo von Hindernis zu Hindernis zu Hindernis.

Die Strecke an sich war relativ gut zu laufen: mal ging es durchs Feld, mal durch den Wald, immer schön flach. Doch dann kamen der kalte Matsch und das kalte Wasser dazu, alle paar hundert Meter war man mindestens knöcheltief im Schlamm oder knietief im Wasser, und man musste dabei entweder seinen Laufpartner huckepack nehmen, einen Sandsack tragen oder mehrere aneinander gekettete Baumstämme ziehen. Und damit es nicht zu langweilig wird, durfte man zwischendurch einen Schlammhügel-Parkour absolvieren, über Holzbarren klettern, in Schlamm und Sand (alles eiskalt, wohlgemerkt) unter Stacheldraht kriechen, die Wände hochklettern oder an Monkeybars hangeln. Das kalte Wasser hat einem richtig zu schaffen gemacht, sobald man durch eine Pfütze lief (teilweise bis zur Hüfte tief), dann wurden nämlich die Füße so kalt, dass man fast schon Krämpfe bekam. Doch statt zu jammern, habe ich den Schmerz in lautstarke, eines Vikingers würdige Schreie umgewandelt und bin weiter gelaufen, immer Sheryl hinterher, bloß nicht zurück bleiben, bloß nicht aufgeben.

Die ersten Zweifel am Erfolg kamen bereits nach den ersten 5km, als ich bei einem „Zweikampf“ vom Barren fiel und mir ziemlich übel das Knie aufschlug. Es war sofort angeschwollen, das Laufen tat weh. Toll, gleich am Anfang alles vergeigt, dachte ich, wie soll ich bloß weitere 14km schaffen? Doch, wie war das? Vikings never quit, oder so ähnlich? Also: Durchbeißen, aufgeben kann ich immer noch später. Immer schön Sheryl hinterher dackeln und laut fluchen, ganz in Vikinger-Manier.

Nach dem 10ten Km ging es mit der Stimmung endlich bergauf – vielleicht schaff ich es doch! Sind ja nur noch 9km, was kann da noch kommen? Aber das Wasser fühlte sich immer kälter an, der Schlamm immer schwerer an den Füßen, die Hügel immer steiler und die Hindernisse immer schwerer zu überwinden. Der Schweiß lief einem ins Gesicht, und doch war man stetig am Frieren trotz Neopren-Oberteil (an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an Christoph für das Shirt!!). Sogar die Straf-Burpees haben da nicht mehr wirklich geholfen, es wurde einem einfach nicht mehr warm. Und ja, irgendwann spürte man schon den ersten Hunger. Doch mit jedem zurückgelegten KM und mit jedem Hindernis wuchs die Hoffnung – verdammt, ich schaffs doch! Als ich sah, dass es nur noch 3 km waren, dachte ich „Geschafft! Fast zuhause“. Tja, denkste! Denn dann kam das zweite Sandsack-Hindernis, oder mein persönlicher Walk of Pain. Als diejenigen, die gerade das Hindernis hinter sich gebracht hatten, zu uns sagten „Ihr werdet alle sterben!“, hielt ich das für lächerliches mimimi. Was will der mir erzählen? Ich bin OCR Frankfurt! Als ich den Sandsack dann auf den Schultern hatte, bekam ich eine Ahnung davon, was sie meinten, und als ich die Hindernisstrecke sah, bekam ich richtig Angst. Hügel rauf und runter, durch den Sand, durch den fiesesten Matsch, der einem die Schuhe auszieht (buchstäblich), durchs knietiefe Wasser, und das alles mit einem (inoffiziell) 20kg schweren Sandsack auf der Schulter. Viele gaben auf, viele kürzten ab, doch viele bissen sich dann durch, ich ebenfalls. Mein Vokabular umfasst nun einige Schimpfwörter mehr, denn nur so konnte ich den Schmerz und die Frust überwinden – lauthals fluchend und einen Schritt nach dem anderen gehend. Als ich das Hindernis endlich hinter mir hatte, eilten mir hochmotivierte Vikinger entgegen, um mir den Sandsack abzunehmen und ihren eigenen Walk of Pain zu beschreiten. Beim Anblick ihrer Vorfreude aufs nächste Hindernis, konnte ich mir mein makabres Lächeln nicht verkneifen.

Fokus

Die letzten 2km danach waren nicht weniger anstrengend: Monkeybars, Pfützen, Schlamm, klettern, springen. Ab hier hieß es für mich nur noch: Aufpassen, auf jeden Schritt achten, bloß nicht ausrutschen. So kurz vor dem Ziel wollte ich keine Verletzung aus Unachtsamkeit riskieren. Irgendwann konnte man bereits die Musik am Finish hören, die Zuschauer häuften sich, die letzten Hindernisse waren zu sehen: die Schlammgrube, der Stacheldraht-Crawl und Varjagen Saga. Beim letzteren musste ich alle meine restlichen Kräfte mobilisieren und fokussieren.

Mud Crawl

Jetzt nur noch die Walhalla Steps, und GESCHAFFT! Endlich im Ziel: erschöpft, durchgefroren aber glücklich. 3 Stunden 40 min Zeigt die Uhr an – joah, ich kann damit leben. Jetzt nur noch das Finisher Shirt abholen, Foto machen, und ab ins warme Bauernhaus, zum Kamin und warmem Tee.

Grillen

Abends, wieder geduscht, umgezogen und einigermaßen erholt, wurde gemeinsam gegrillt, gegessen und natürlich getrunken. Es wurden Bilder angeschaut, Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht, blaue Flecken und andere Blessuren verglichen und auch, wen es am härtesten getroffen hat. Jetzt erst wurde einem nach und nach klar, was man eigentlich geleistet hat. Jetzt erst fing man an, Stolz und Freude zu empfinden, und sich selbst und den Anderen auf die Schulter zu klopfen. Und zurecht, verdammt!

After Race

Wir sind als ein Team aus 10 Athleten gestartet, und alle 10 kamen im Ziel an, alle haben den Lauf in einer relativ guten Zeit absolviert, für einige wie mich war das die Bestleistung schlechthin. Dennis kam als Zweiter nach nur unglaublichen 1h 50min ins Ziel und qualifizierte sich somit für die OCR WM – wir haben nie daran gezweifelt!

2. Platz für Dennis

Wolfgang, der uns tatkräftig als Supporter unterstützte, konnte krankheitsbedingt leider doch nicht am Rennen teilnehmen, stellte sich aber darüber hinaus als herausragender Gastgeber (seine Eltern stellten ihr „Kotten“ freundlicherweise zur Verfügung) und geschickter Fotograf heraus. Alles in allem war es ein unvergessliches Wochenende mit einer Super-Truppe!

Zum Rennen selbst und zur Organisation

Die Hindernisse waren anspruchsvoll, aber wenn man regelmäßig an den ORC Trainings wie Fun Run, Heartbeat und Taunus-Trails teilnimmt, hat man keine bösen Überraschungen zu befürchten, da man alles schon in der einen oder anderen Form gesehen hat. Die Kälte darf man aber nicht unterschätzen, ohne gescheite Kleidung ist man aufgeschmissen.

Die Organisation war sonst gut: Kein Chaos, weder bei Parkplätzen, noch bei der Anmeldung, noch beim Start. Beheizte Hallen mit Umkleiden, separate Räumlichkeiten mit Wachmännern, wo man seine Taschen deponieren konnte, ausreichend Toiletten (Dixis) und Outdoor Duschen – nichts zu meckern. Eine einzige Sache, die mir persönlich negativ auffiel: die erste Versorgungsstation (Wasser und Bananen) war relativ früh am Anfang, da hatte man noch gar keinen Durst oder Hunger, doch die zweite Station kam erst bei Km 9 oder 10. Bis dahin war ich bereits am Verdursten und betete für Kohlenhydrate in welcher Form auch immer.

Fazit

Ein unvergessliches Rennen, das seinem Namen alle Ehre macht. Körperlich eine der schwersten Erfahrungen bisher, aber war ja auch mein erstes Hindernisrennen:-) Würde ich es wieder tun? Na klar, die nächsten Termine sind bereits im Kalender vermerkt!
Und wenn man im Büro oder im Fitnessstudio in den Umkleiden auf die blauen Flecken angesprochen wird – ach das? Da hab ich neulich bei so nem Rennen mitgemacht, ja 19km, ja durch Schlamm und Wasser, ja gut geschafft. Ach was, so krass drauf sind wir gar net, mit gutem Training schafft das jeder. Komm doch auch mal mit zu so einer Heartbeat-Session, du wirst es lieben 🙂

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