Zugspitz Ultramarathon 2015

Zugsitz Ultramarathon 2015
Foto: Sportograf.com

Als Fabian mich im März ansprach, ob ich Lust hätte den Zugspitz Ultramarathon zu laufen, musste ich nicht lange überlegen. Sowohl er, als auch ich hatten in der Vergangenheit bereits den einen oder anderen Extremlauf absolviert. Gesagt, getan, befanden wir uns in der Vorbereitung und waren Woche  für Woche im Taunus Höhenmeter reißen. Doch was 60 km mit fast 3000 Höhenmetern wirklich bedeuten sollten, wurde uns erst am 20.06. so richtig bewusst.

Das Briefing

Als Deutschlands  größter Ultralauf, war die Organisation von Beginn bis Ende top. Das zentrale Camp lag in Grainau neben dem Hallenbad. Während bei Hindernisläufen oft großspurige Sprüche geklopft werden, war dieses Briefing anders: Kein „ihr seid die härtesten “ oder „ihr werdet eure Grenzen überschreiten müssen“… kein Schaka, oder Bunga Bunga! Sachlich und ohne großes Drumherum wurden die elementaren Informationen genannt, die uns darauf vorbereiteten, was uns bevorstand:

  • Uns erwarten die widrigsten Bedingungen in der Geschichte des Zugspitz Ultra.
  • Es wird den ganzen Tag regnen.
  • Die Temperatur liegt im Tal zwischen  7-13 Grad, auf dem Berg etwa 2-3 Grad.
  • Es ist mit Schnee und rutschigen Untergrund zu rechnen.
  • Die Strecke wird voll Wasser und Schlamm sein.
  • Passt auf wo ihr die Tritte platziert, damit ihr nicht abstürzt.
  • Kommt heil ins Ziel!

Kein zurück

Der Morgen war gekommen. Alle Sachen hatten wir am Vorabend sorgfältig gepackt. Der
Trail-Rucksack enthielt sämtliche Bestandteile der Pflichtausrüstung wie Kopflampe, Ersatzbatterien, Regenjacke, Beinlinge, Pullover, Handschuhe, Mütze, Trailbook, Faltbecher 1,5 l Wasser und ein Sanitätspaket. Dazu noch GPS Gerät, Teleskopstöcke, diverse Gels, Pulver, Salztabletten, welche der Apotheker (Fabian Sing) empfahl und natürlich die Gopro.

Der erste Blick aus dem Fenster  verriet, dass der Wetterbericht Recht behalten sollte. Es regnete… und das nicht zu knapp. Nachdem am Start  die Pflichtausrüstung kontrolliert wurde, ging es zu einem fließenden Start. Die ersten 3 km verliefen relativ flach durch Leutasch-Weidach und trotz des unschönen Wetters, hatten sich ein paar Zuschauer eingefunden.

Auf zum Scharnitzjoch

Auf zum Scharnitzjoch

Nachdem die ersten flachen Kilometer geschafft waren, standen wir am Fuße des ersten Berges. Der Schritt wechselte vom Joggen zum Laufen und es ging im Gänsemarsch steil bergauf. Zuerst durch den Wald, über steinige Wege, später über Almwiesen, die durch den Regen eher an Feuchtbiotope erinnerten, bis wir schließlich nur noch Stein und Schnee um uns hatten. Der Regen hatte in der zurückliegenden Nacht in Verbindung mit dem Temperatursturz für 10 cm Neuschnee gesorgt.

Nun war es geschafft. Die Beine fühlten sich gut an und wir waren froh die ersten 1000 Höhenmeter hinter uns zu haben. Blickten aber etwas zweifelnd auf den aus Schnee,  Matsch und Stein bestehenden Weg ins Tal.

Augen zu und durch

Durch den Schnee
Foto: Sportograf.com

Der Abstieg war eine abenteuerliche Rutschpartie bei der zum Glück nichts passierte. Die Schuhe trieften vor Schlamm und durch diverse Ausrutscher, war auch der Rest der Ausrüstung schlammbraun gehalten. Glücklicherweise mussten wir nicht dauerhaft schmutzig herumlaufen, da uns der anhaltende Regen postwendend reinigte.

Als wir den Almbereich verließen gelangten wir zu einem serpentinenreichen Wanderweg. Dieser zeichnete sich dadurch aus, dass er das überschüssige Wasser und den aufgenommenen Schlamm perfekt ins Tal transportiere. Knöcheltief im Matschwasser ging es Meter um Meter zurück ins Tal.

Wir hatten gerade die erste Verpflegungsstation hinter uns und konnten in der flach abfallenden Ebene den Schritt langziehen. Bereits 20 km waren geschafft! Fabian meinte flaxig zu mir „so, jetzt laufen wir noch mal nen Marathon“ … worauf ich erwiderte „richtig, die restlichen 1800 Höhenmeter fallen ja nicht ins Gewicht“. Wir lachten … warum eigentlich?

Im Nachgang gaben wir beide zu, an dieser Stelle Zweifel an der Machbarkeit gehabt zu haben. Immerhin waren wir seit 3 1/2 unterwegs und komplett durchgeweicht.

Nach einigen Auf- und Ab-Passagen kamen wir an der 3. Verpflegungsstation an. Ein paar Drinks, etwas Wassermelone und Suppe. Nachdem wir unsere Wasserspeicher aufgefüllt hatten, ging es weiter. Leider konnte ich die Pace von Fabian nicht halten, sodass wir beschlossen uns zu trennen. Eine goldrichtige Entscheidung, da so jeder sein Tempo laufen konnte.

Wieder ging es lang Berg auf und steil bergab. Der Regen legte nach einer kurzen Pause wieder zu und sorgte dafür, dass die Wege rutschig und schlammig blieben. Allmählich machte mein rechter Oberschenkel zu. Immer wieder musste ich gegen den Krampf zwischenzeitlich dehnen, aber „Mimimi“ gibt es bei OCR Frankfurt nicht.

41 km

Es War geschafft. Der Marathon lag hinter mir und die vorletzte Verpflegungsstation war erreicht. Nach 10 min. Pause machte ich mich auf den Weg zum letzten Anstieg. Vor mir lagen noch ca. 16 km. Die Rennleitung hatte zwischenzeitlich den obersten Bergabschnitt wegen erhöhter Unfallgefahr gesperrt. Somit musste ich „nur noch“ 800 Höhenmeter bewältigen.

Die Willensprüfung

Foto: Sportograf.com
Foto: Sportograf.com

Die Coffein-Sticks lieferten den gewünschten Schub und es ging voran. Die Strecke zog sich hin. Mir hatte man im Vorfeld gesagt, „der zweite Berg, der nimmt einfach kein Ende“ … jetzt wusste ich was das bedeutet. Ab und an schaute ich nach oben. Im diesigen Wald erkannte man Läufer die bereits weiter oben waren. Immer weiter und einfach kein Ende in Sicht. Aber was sollte man tun? Umkehren? Aufgeben? Und dann? Wieder runter ? Nein!!! Weiter … und irgendwann war die ersehnte letzte Verpflegungsstation am Scheitelpunkt erreicht. Ich sagte mehrmals vor mich hin „Jetzt nur noch ins Tal und auf den letzten 8 km nicht verletzten“.

Ich stellte mir vor, wie Fabian gerade ins Ziel läuft und raffte mich zur letzten Etappe auf. Wieder verwandelte sich der Weg in einen Mix aus Wasser und Schlamm. Was soll’s… die Schuhe konnte ich unter der Schlammschicht noch erahnen. Es ging steil bergab, ab und an konnte ich durch die Wolken Grainau sehen. Das Ziel war nah!

Happy End

Im Tal jubelten mir Zuschauer zu … „noch 2 km, Hop! Hop! Hop!“ … Ich raffte mich ein letztes Mal auf und wechselte wieder vom Gehen ins Joggen. Der Schmerz war an dieser Stelle längst nebensächlich. Die letzte Kurve und da war das Ziel. Die Lautsprecher riefen meinen Namen, ich hatte es geschafft! Fabian war bereits seit 40 Min. im Ziel und begrüßte mich als wäre ich die letzten 4 Jahre in Sibirien verschollen gewesen.

Da waren wir also nun… Mathias, der den Basistrail über 20 km gelaufen war, stand mit Lisa und Judith grinsend vor mir. So eng wie in diesem Moment waren Schmerz, Stolz und Freude selten bei mir verbunden.

Das Leben danach. ..

Am Ziel

Die Auswahl des Standortes Grainau machte sich nun erneut bezahlt. Im Schwimmbad welches keine 200m entfernt war, konnte man ausgiebig warm duschen und sich in Ruhe umziehen.

Noch Tage danach hatte ich Muskelkater und war saft- und kraftlos… Aber das gehört dazu und die Genugtuung es geschafft zu haben, war unbezahlbar.

Fazit: Achtung Suchtgefahr!

Wer Bergläufe und Herausforderungen liebt, wird auch diesen Ultralauf lieben. Auch wenn die Landschaft wetterbedingt nur sporadisch zu sehen war, hat man die imposante Kulisse mit jedem Schritt genossen.

Die Organisation, Verpflegung und Standortwahl waren perfekt und das Teilnehmerfeld breit, aber dennoch hochkarätig.

Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!

Die kleinere Variante

Von Matthias Kasten

Um es gleich vorweg zu nehmen: das Event war wirklich top in puncto Ausrichtung und Organisation und obwohl die Sonne nicht mitspielen wollte, war der Lauf für mich ein absolutes Highlight. Die wegen des schlechten Wetters auf etwa 20 km gekürzte Strecke in der wunderschönen Zugspitzregion bediente trotz der kürzeren Streckenführung die Abenteuerlust jedes Läufers und war auch in dieser Länge eine echte Herausforderung – wenn auch kein Vergleich zu den längeren Varianten.

Aber der Reihe nach…

Die Entscheidung den Basetrail zu laufen, – mit ursprünglich geplanten 25 km und etwas über 1600 Hm die kürzeste Strecke des ZugspitzUltratrail Events – habe ich zusammen mit meinem guten Freund Robert sehr spontan Anfang des Jahres getroffen. Wenige Minuten später war die Anmeldung abgeschickt und die Vorfreude aber auch der Respekt stieg langsam aber stetig.

Etwa zu der Zeit habe ich meinen Weg zur OCR-Frankfurt Truppe und dann später auch zu den berühmt-berüchtigten Heartbeat-Sessions gefunden und erfahren, dass auch Christoph und Fabian beim Zugspitztrail dabei sind und ein „klitzekleines bisschen“ länger laufen würden als ich.

Vorbereitung

Sowohl die Heartbeat-Sessions am Donnerstag mit den allseits geliebten Intervall-Runden, als auch die samstäglichen Taunus-Trailläufe mit Christoph erwiesen sich als sehr gute und spaßige Vorbereitung auf das Event. Man muss vorher nicht an einem Hindernislauf teilgenommen haben,  aber es ist sehr empfehlenswert eine gute Basis mit langen langsamen Waldläufen (inkl. Höhenmeter bergauf & bergab am Berg/ Hügel eurer Wahl !) und kurzen hochintensiven Einheiten zu schaffen.

Die Strecke

Da alle Strecken bei etwa den letzten 15 km zusammengeführt und der finale Abschnitt deshalb für alle Läufer gleich war, wurden auch wir vor dem Start informiert, dass aufgrund der Wetterbedingungen der letzte Anstieg etwas gekürzt wurde. Für uns Läufer auf der sowieso schon kürzesten Strecke war das schade, da die Strecke so nochmals deutlich kürzer wurde. Soweit ich das beurteilen kann, wäre jeder gerne unabhängig vom Wetter die vollen 25 km gelaufen – es ist ja doch eher eine „Sprint-Distanz“ im Vergleich zu den anderen Varianten aber auch die 20 km sollten genügen, um uns an die Grenzen zu bringen.

Aus Sicht des Veranstalters war es aber definitiv die richtige Entscheidung, da die meisten Teilnehmer am letzten Anstieg dann mit 40+ km in den Beinen im Neuschnee und Matsch einem deutlich höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt gewesen wären.

Los ging es um 10:30 Uhr im Stadtzentrum von Garmisch-Partenkirchen bei strömendem Regen und nach etwa 2 km durch den Ort tauschten wir bei gutem Pace die geteerte Straße mit einem Forstweg, der den ersten Anstieg von etwa 400 Hm einläutete. Der Regen erwies sich spätestens jetzt als ausgesprochen angenehme Abkühlung. Ich schätze, dass der Lauf für mich bei knallender Sonne und 30 Grad deutlich härter gewesen wäre, auch wenn dann die Aussicht ihren Teil zur Motivation beigetragen hätte.

Abwechselnd laufend und flott gehend erreichten wir den ersten Scheitelpunkt und machten auf wunderschönen Trails, verwurzelten Wander- und breiten Forstwegen Tempo bis wir nach etwa 4 km an den langen und für uns schon finalen Anstieg von etwa 700 Hm kamen. Im Zickzack ging es steil bergauf und vor allem im unteren Abschnitt hatte sich der Trail in einen Bachlauf verwandelt, während er im oberen Abschnitt den Anschein erweckte durch einen Märchenwald zu führen. Das Laufen auf dem verwurzelten, teilweise nur hüfthoch und hüftbreit ausgewaschenen Weg bot eine ganz eigene Faszination und in Kombination mit dem gleichmäßigen Atmen (bzw. Schnaufen) hätte es beinahe schon meditativ sein können, wenn es nicht so anstrengend gewesen wäre und die Oberschenkel und Waden weniger gebrannt hätten. Im Geiste zog ich an dieser Stelle den Hut vor Christoph und Fabian, denen dieser Berg noch bevor stand.

Die Rufe und das Applaudieren der Zuschauer gaben mir auf den letzten Höhenmetern noch einen Schub und ich wusste, dass die Verpflegungsstation und damit der höchste Punkt des Laufs nicht mehr weit sein konnte. Robert und ich hatten vereinbart, den Lauf zusammen zu laufen aber seine triathlon-bedingt bessere Kondition sorgte dafür, dass er mir irgendwo im unteren Drittel des Anstiegs enteilte. Ich holte ihn erst an der Verpflegungsstation ein, wo er schon ein paar Minuten gewartet hatte, stürzte 2 Becher rotes Zuckerwasser runter und los gings, 850 Hm wieder bergab bis zum Ziel in Grainau.

Wir waren ziemlich weit vorne im Läuferfeld und der Weg war wenig ausgetreten, wenn auch an den erdigen Stellen komplett durchweicht und auf den Steinen brutal rutschig. Im Nachhinein zeigte sich hier wohl der gravierendste Unterschied zwischen dem Basetrail und den längeren Routen: obwohl wir beide die Beine merkten konnten wir bergab noch richtig Tempo machen und waren vor allem auch geistig fit. Die Strecke verlangte vollste Konzentration auf jeden einzelnen Tritt und war ähnlich abenteuerlich wie der Weg bergauf. Bachläufe, enge Passagen, Holzbrücken und eben die extrem rutschigen Steine und schlammigen Zickzack-Wege verlangten auch dem Laufstil und der Oberschenkelmuskulatur noch einmal alles ab. Auf halbem Weg ging es etwa 10 Hm leicht bergauf und der Wechsel bergab/bergauf fühlte sich an, als hätte ich plötzlich Anker geworfen. Als wir nach ca. 25 Minuten aus dem Wald heraus auf die letzten 2 asphaltierten Straßenkilometer vor dem Zieleinlauf kamen, war ich ziemlich durch und der Oberschenkel machte dicht. Trotz des Ziels vor Augen waren es gefühlt deutlich mehr als 2 km und ich musste mich von Robert erinnern lassen, dass es kein „Mimimi“ gibt. Natürlich wurden wir entschädigt als wir endlich und absolut happy die Ziellinie überquerten.

Die Schmerzen wichen schnell der Euphorie diesen genialen Lauf in einer guten Zeit geschafft zu haben aber die Beine waren doch auch für die Tage danach etwas lahm.

Fazit

Ohne Frage ein Spitzenevent in einer landschaftlich tollen Region und in der Version „Basetrail“ auch ein sehr guter und sehr eindrucksvoller Einstieg in wettkampfmäßige Trailläufe.

Trotz der fiesen letzten 2 Kilometer wäre ich gerne die ungekürzte Strecke gelaufen und bin nächstes Jahr auf jeden Fall wieder in der 25 km Variante am Start. Das Trainingspensum für die 60 km Variante erfordert mir persönlich zu viel Zeit, damit es auch Spaß macht. Man kann sich aber ohne Probleme auch beim Basetrail an die Leistungsgrenzen bringen – versprochen.

Glückwunsch noch einmal an Christoph und Fabian für die bärenstarke Leistung! Ich freue mich schon auf die nächste Reunion im Ziel 🙂

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